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Aus einer Novelle eine Ballade machen: am Beispiel von "Kleider machen Leute"

Eine mutige Aufgabe und eine große Herausforderung für Schüler einer 8. Klasse: Nach der Lektüre der Novelle "Kleider machen Leute" diese in eine Ballade umzuwandeln.

 

Amelie und Carolina haben es gewagt.

 

Wir zeigen, was draus geworden ist. Auf jeden Fall ist es - wie jede andere Umwandlung - ein Weg, um noch besser zu verstehen, was die beiden Gattungen verbindet - nämlich das Besondere und ein tüchtiges Stück Dramatik.

Noch eine kleine Vorbemerkung:

 

Wer sich jetzt fragt, was man denn nun mit einer solchen Ballade anfangen kann - dem schlagen wir einfach mal vor, die einzelnen Strophen als "mitfühlender" Leser zu kommentieren.

 

Früher gab es ja so etwas wie "Bänkelsang": Da stand einer auf einer Bank, vor sich eine Tafel mit Bildern (auch eine schöne Idee) - und er kommentierte das dramatische Geschehen.

 

Wir nehmen wir erst mal als Bilder die Strophen - und kommentieren die dann.

 

Vorschläge für die ersten Strophen haben wir unten angehängt, ebenso eine Tabellenfassung, in die man seine Anmerkungen eintragen kann.

Tabellenfassung für die Leserkommentare
Mat412 Tabelle Ballade vom Schneider.pdf
PDF-Dokument [31.1 KB]
Tabellenvariante mit Kommentar-Ideen
Mat412-L Tabelle Ballade vom Schneider m[...]
PDF-Dokument [34.1 KB]

Nun aber wirklich zur kompletten:

 

Ballade vom Schneider, der Glück im Unglück hatte

 

1.
Es war einmal ein Schneiderlein,
das fühlte sich ganz furchtbar klein.
Weit weg war’n ihm nun Job und Geld,
Nur, ach, sein Mantel ihn am Leben hält.

2.
Jedoch ist der so wunderschön,
dass niemand wollt‘ den Hunger sehn.
Ein Kutscher nahm ihn schließlich mit,
die Armut ihm ins Herze schnitt.

3.
In Goldach am Gasthof er setzte ihn ab,
zum Schrecken von Wenzel sah er hinab
auf die Bürger des Städtchens, die eilten herbei,
denn sie hörten, dass ein Adelsmann eingetroffen sei.

4.
Der Wirt der ,,Waage“ sogleich trat hinaus,
schließlich war dort ein Gast aus edlem Haus.
Der sah nur den Glanz und lud Wenzel zum Essen ein,
,,Vielleicht auch noch ein Gläschen Wein?“
Er wollte nicht, doch der Schneider blieb stumm,
denn er besaß nicht den nöt’gen Mumm.

5.
Als er die prächt’ge Mahlzeit sah,
musste er fort, dies war ihm klar.
Und Wenzel wollte verlassen das Haus,
er war schon fast zur Tür hinaus,
da kam ein Kellner auf ihn zu,
die Gelegenheit zu helfen sah dieser im Nu.
Er brachte den Herr’n zum stillen Ort,
und wieder ergriff Wenzel nicht das Wort.

6.
Nach seinem am Anfang doch zaghaften Beginn
Flogen des Schneiders Hemmungen nun dahin.
Er schlang das Mahl förmlich hinunter,
auf einmal war er vor Hunger ganz munter!

7.
Er traf auf Goldachs höchstes Sein,
der Amtsrat lud ihn auf einen Trunk bei sich ein.
Ihm wurde vorgestellt dessen reizendes Kind,
und er verliebte sich in Nettchen, geschwind.
Durch sie begann er nun, zu lügen
und die Goldacher bewusst zu betrügen.
 

8.
Einige Zeit war verstrichen,
sein altes Ich fast verblichen,
da kam der „Graf“ an des Städtchens Tor,
und sah einen Scheideweg direkt davor.
Wollte er hinaus, aufs weite Feld?
Oder bleiben der Leute Held?

9.
Wenzel wandt’ sich zum Gehen, dahin in die Ferne!
Da erblickte er Nettchen, die Augen leuchtend wie Sterne.
Sie lächelt’ ihn an und er kehrte um,
zurück in die Stadt, denn die Liebe macht dumm.

10.
Auf die Dauer er spielte perfekt einen Grafen,
und außer Sicht waren die nötigen Strafen.
Das Glück war ihm hold

und wurde zu Gold!
Er gewann im Glücksspiel,
und auch in der Liebe tat sich recht viel.

11.
Die Einladungen zu Festen, sie blieben nicht aus,
denn jeder wollte wohl einen Grafen im Haus!
Bei einem der Feste verkündete er nun,
er müsse dringend eine Geschäftsreise tun.
Doch dies war ein Vorwand, die Stadt zu verlassen,
denn das schlechte Gewissen bekam ihn zu fassen.

 

12.

Diese Nachricht war Ereignis der Stund‘,

und Nettchen trat in den Hintergrund.

Wenzel suchte weiterhin Kontakt,

doch die Dame wehrte diesen ab.

 

13.

Die Ernüchterung trug ihn fort,

er suchte nach einem ruhigeren Ort.

Doch dann hörte der Graf Schritte hinter sich,

Nettchen war ihm gefolgt in des Gartens Mondlicht.

 

14.

Nach kurzem Zögern wurde ihm klar

Warum er so lange geblieben war.

Er hoffte, dass wenn er blieb bei den Stadtmitgliedern,

Nettchen würde seine Gefühle erwidern.

Dem war nun so, Nettchen fiel ihm in die Arme,

und darauf verlobte er sich mit der Dame.

 

15.

Der Amtsrat war schlichtweg empört,

Er hatte sich ja wohl verhört?

„Herr Graf, Herr Graf, das kann doch nicht sein!

Gehen Sie diesen Bund wirklich mit Nettchen ein?

Dieses Gör ist verzogen und verwöhnt,

für dieses Versprechen werden Sie noch verhöhnt!

 

16.

Doch die Warnungen verschreckten Wenzel nicht,

Er liebte sie in jeglicher Hinsicht.

Die Verlobungsfeier folgte bald,

mit einer Schlittenfahrt durch den Wald.

Doch an ihrem Ziel angelangt,

die Seldwyler man bereits vorfand.

 

17.

Sie waren dort, mit Fest und Zug,

um aufzudecken den Betrug.

Wenzel war sich darüber nicht im Klaren,

und ihm sollte Böses widerfahren.

Im Saale boten die Seldwyler an,

ein Stück aufzuführen.

Sie wollten das neue Brautpaar küren.

 

18.

Die Seldwyler tanzten viel,

die Seldwyler tanzten gut,

doch beim letzten Auftritt sank Wenzel der Mut.

Sein alter Meister betrat die Bühn‘

Und verkündete spielerisch kühn:

„Euer Graf, so lieblich stumm,

führte euch an der Nase herum!

Dieser Mann ist nicht von Adel,

ich sage euch nun voller Tadel:

Er war einmal einmal ein Schneiderlein,

und ein guter obendrein!

Doch als er dacht‘, ich sei Bankrott,

verabschiedete er sich recht flott!“

 

19.

Bleich verließ Wenzel den Saal,

ihn plagte eine Höllenqual.

Sein Mantel war das einz’ge, was er nahm

Mit, bevor er verließ voller Scham

Den Raum voller Leute, er ließ sie zurück,

sie mussten verarbeiten, was nicht mehr war Glück.

 

20.

Besonders über Nettchen, die sich nicht zu

Bewegen traute,

die nur nach ihrem Verlobten schaute.

 

21.

Unterdessen stolperte Wenzel entlang

Die Straße nach Seldwyla mit schwerem Gang.

Und er duckte sich schnell,

vor lauter Schreck,

denn er hatte den Seldwyler Schlitten entdeckt.

 

22.

Dort im Schnee tat er kauern,

begann nun um Nettchen zu trauern.

Was war er für ein Dummkopf, ein Lügner, Betrüger?

Hätt‘ er es doch gelassen, wär‘ er gewesen klüger!

 

23.

Nettchen hatte sich aus der Starre gelöst,

und Melchiors Taten sogleich entblößt.

Er war’s gewesen, er hat’s geplant,

nun waren Wenzel und Melchior enttarnt!

Doch trotz Melchers gütigem Angebot

Fuhr sie los, zu retten den Schneider in Not.

 

24.

Sie führte die Pferde gen Seldwyla,

mit der Nacht wurde es merklich kühler.

Und als Nettchen ihn schließlich fand,

schützte vor der Kälte auch nicht sein Gewand.

Er bebte und zitterte am ganzen Leib,

und bat um Verzeihung sein geliebtes Weib.

 

25.

Während Nettchen Wenzel zu einer Vertrauten gebracht,

Das Gerücht von Entführung die Rund‘ hatt‘ gemacht.

Sie sprachen sich aus und nach einiger Debatte,

die wahre Liebe doch gesiegt hatte.

 

26.

Sie fuhren nach Seldwyla

Und kehrten dort ein,

denn sie wollten auf ewig zusammen sein.

Nach reichlichem Zögern gab der Amtsrat es zu,

so einen wie Wenzel fand man nicht im Nu!

Die Liebe der beiden brachte Kinder hervor,

und der Schneider war’d nicht länger mehr ein Tor.

 

27.

Ein Streich machte den Schneider zum Grafen,

natürlich folgten die verdienten Strafen.

Doch trotz all dem Unglück, das bisher geschah,

war Strapinskis Leben nunmehr wunderbar.

Und die Moral von der Geschicht‘:

Dem Äuß’ren nur, dem traue nicht.

 

© www.schnell-durchblicken.de / Amelie und Carolina

 

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