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Rezension zu Rüdiger Safranskis Buch "Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?"

Rüdiger Safranski geht in seinem Buch "Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch" vor philosophischem Hintergrund dieser Frage nach.

 

Um seine Überlegungen kommt niemand herum, der sich ernsthaft mit dem Nahen, dem Eigenen einerseits und im globalen Maßstab dem Fremden, dem Anderen auseinandersetzen will.

 

Wir versuchen hier, den Schatz der Überlegungen Safranskis auch für die Schule zu heben.

 

Dabei gehen wir kapitelweise vor, so dass die Abschnitte auch separat behandelt werden können.

 

Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe von 2003 - auch das ist kein Problem, sondern sehr "schulgemäß'": Auch Schüler können erst mal nur das nehmen, was zum Beispiel eine Stadtbücherei anbietet - und für die Feinheiten späterer Aktualisierungen oder auch der Kritik ist immer noch Zeit, wenn man die Grundgedanken verstanden hat.

 

(in Arbeit)

Das 9. Kapitel: "Irrlichter der Lichtung" (99-107)

 

Safranski sieht die Globalisierung als aktuellen Höhepunkt einer Entwicklung, bei der die Menschen sich nicht nur immer mehr von der Natur, sondern auch vom Eigenen, historisch Gewachsenen und der lokalen Gemeinschaft Verpflichteten entfernen.

 

Für ihn sind "Lichtungen" notwendige, aber auch nicht unproblematische Schneisen, die in den Dschungel der Natur geschlagen werden.

 

In diesem Kapitel nun beschäftigt er sich mit zwei "Irrlichtern", also falschen Wegen aus der Misere.

 

Als erstes geht er auf Rousseau ein, der die Lösung darin gesehen hat, dass man den Blick nach innen richtet und wie Goethes Werther in der eigenen Seele eine ganze Welt findet. Das Problem dabei ist nur, dass es daneben die vielen anderen individuellen Welten der anderen gibt. Rousseau wollte eine Art Harmonisierung, die schließlich in der totalitären Vereinheitlichungs-Diktatur Robespierres endete.

 

Das zweite Irrlicht ist für Safranski der Marxismus, der die Lösung des Problems nicht im Inneren, sondern in der angeblich gesetzmäßig verlaufenden äußeren, vor allem wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung suchte. Als das nicht passierte, wurde immer mehr Gewalt eingesetzt, bis sich am Ende ebenfalls eine totalitäre Gleichschaltung aller Menschen im Sinne der Ideologie ergab.

 

Am Ende des Kapitels macht der Verfasser dem Leser Mut, dass es möglicherweise eine "Lichtung" gibt, "weder ganz innen wie bei Rousseau, noch ganz außen wie bei Marx." (107)

Das 10. Kapitel: "Platz schaffen" (108-117)

 

Am Ende geht es um die Frage "Was tun?" angesichts der Bedrängnisse und der Gefahren, die auch in den scheinbaren Lösungen liegen. Safranski entdeckt als Ort der Rettung "das lebbare Provisorium" (109) mit der "Gelassenheit des Abstandhaltens" (109), "der Verlangsamung", dem "Eigensinn", dem "Unerreichbarsein" (111).

 

In diesem Zusammenhang spricht er sogar von einem "Immunschutz" (111) auch für den Geist, man dürfe nur soviel in sich hineinlassen, "wie man sich anverwandeln kann" /111).

 

Das bedeutet dann auch den Verzicht darauf, "immer auf der Höhe der Zeit" (111) zu sein. In diesem Zusammenhang zitiert Safranski den wunderbaren Satz Nietzsche, "Wir müssen wieder gute Nachbarn der nächsten Dinge werden"(111/112).

 

Damit ist aber in keiner Weise etwas gemeint, was heute unter dem Slogan '"Simplify your ..." angeboten wird. Das sind für Safranski nur Management-Methoden, mit denen man noch besser mit der Masse des Angebotenen klarkommt.

 

Ihm geht es vielmehr um eine Souveränität des Wissens um die eigenen Ziele im Sinne von Selbst-Bildung und eine daraus sich ergebende Filterung der Außenwelt-Impulse. In diesem Zusammenhang wird Goethe zitiert, für den es "immer ein Unglück" war, "wenn der Mensch veranlaßt werde, nach etwas zu streben, mit dem er sich durch eine regelmäßige Selbsttätigkeit nicht verbinden kann." (116).

 

Safranski beendet seine Abrechnung mit dem Globalismus mit Johann Peter Hebels Geschichte von dem Bergmann, der tödlich verunglückt und nach fünfzig Jahren wie einbalsamiert wieder gefunden wird, was seiner früheren Braut ein "Unverhofftes Wiedersehen" verschafft.

 

Der Akzent wird nicht auf diesen tragischen Aspekt gelegt, sondern auf eine Passage, die mit "Unterdessen" beginnt und in kürzestmöglicher Weise zusammenfasst, was in diesem langen Zeitraum alles in der Welt passiert ist - ohne jede Bedeutung für die beiden Klammern der Geschichte, den tragischen Tod und die Wiederbegegnung in einer seltsamen Ungleichzeitigkeit.

 

Die Schlusspassage sei hier etwas ausführlicher zitiert, weil sie den Kern der Position des Verfassers wunderbar nachdenklich stimmend zusammenfasst:

 

"So wünsche ich mir, daß man auch die Globalisierung auf Abstand halten könnte, zwischen zwei Gedankenstrichen, nur locker mit dem eigenen Leben verknüpft durch ein >unterdessen<.

Aber vielleicht erfordert eine solche Sicht auf die Dinge des Lebens wieder die Kühnheit jener Giganten, die einst die ersten Wälder gerodet und die ersten Lichtungen geschaffen haben."

 

 

 

 

 

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