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Kann man das Schicksal der EU und des Westens insgesamt mit dem Ende der Römischen Republik vergleichen?

Die Krise EU-Europas, ja des gesamten Westens, ist unübersehbar. Häufig wird der Vergleich zum Untergang des Römischen Reiches im Zusammenhang mit der Völkerwanderung herangezogen.

 

Sehr spannend ist aber auch der Ansatz des beglischen Historikers David Engels, der 2014 in einem Buch und im November 2016 in der Zeitschrift "Cicero" die EU mit der Römischen Republik vergleicht, die in die Alleinherrschaft des Augustus und damit ins "Imperium" mündete.

 

Wir rezensieren hier das Buch und den Artikel.

 

 

Das Ende der westlichen „Republik“ - auf dem Weg ins Imperium?

  1. Wenn man die aktuell offensichtliche Unfähigkeit Europas, mit der Flüchtlingskrise und Fragen der Einwanderung fertig zu werden, betrachtet, wird häufig als Vergleichspunkt der Untergang des römischen Reiches im Zusammenhang der Völkerwanderung herangezogen.
  2. Einen anderen Vergleich zieht der belgische Professor David Engels in seinem 2014 erschienenen Buch: „Auf dem Weg ins Imperium – die Krise der Europäischen Union und der Untergang der römischen Republik.“
  3. Hier geht es also weniger um den Ansturm von außen als um Selbst- Zerstörung von innen.
  4. In einem Artikel der Zeitschrift Cicero vom November 2016 mit dem Titel: „Der letzte Ritt. Das Ende des Westens, wie wir ihn kannten“ geht er darauf näher ein.
  5. Zunächst wird die „faste endlose Liste der Herausforderungen“ (22) aufgeführt, die für ihn alle schon den Keim des Scheiterns in sich tragen: „Arbeitslosigkeit, Verarmung, Spekulation, Desindustrialisierung, Sozialstaatsabbau, Finanzkrise, Staatsschuld, Werteverlust, Bevölkerungsrückgang, Überalterung, Mediendiktatur, Bildungsmisere, Demokratiedefizit, Lobbyismus, Entpolitisierung, Masseneinwanderung, Fundamentalismus, Fremdenfeindlichkeit, Populismus, Terrorismus oder asymmetrische Kriege“. (22,23)
  6. Viel schlimmer als diese Probleme erscheint dem belgischen Professor aber, „dass all das kaum jemanden wirklich zu interessieren scheint. Die wohl gewaltigste innere Herausforderung, vor die der Westen je gestellt wurde, hat nicht etwa zu einem allgemeinen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Schulterschluss geführt, die es uns ermöglichen würde, wirtschaftlich vielleicht verarmt, dafür aber innerlich geläutert aus der Krise hervor zu gehen, sondern ist vielmehr von einer inneren Auflösung begleitet die sich täglich mehr als Desinteresse, Orientierungslosigkeit, Defätismus und sogar offener Selbsthass niederschlägt.“ (23)
  7. Besonders problematisch erscheint dem Professor der Gegensatz zwischen der Realität und dem Selbstbewusstsein der politischen Elite: „Je vollmundiger unsere Politiker die Überlegenheit westlicher Werte beschwören, diese mit freiheitlicher Zivilisation an sich gleichsetzen und in flagrantem Widerspruch zum gleichzeitig besungenen Multikulturalismus überallhin zu exportieren trachten, desto mehr scheint es, dass sich die tatsächliche Bedeutung dieser Werte weit von ihrem ursprünglichen Gehalt entfernt hat: An die Stelle positiver Identität sind bestenfalls floskelhafte Lehrstellen, schlimmstenfalls offene Selbstzerstörung getreten und höhlen den Westen von innen aus.“ (26)
  8. Ein zentrales Problem dieser inneren Leere ist der damit verbundenen Mangel an Integrationsfähigkeit. Das verringert noch mehr die an sich schon gefährdeten Möglichkeiten eines wirklichen Multikulturalismus.
  9. Was die Religion angeht, sieht der Professor eine große Bedeutung des Christentums für die abendländische Kultur, verweist aber gleichzeitig darauf, dass die Trennung von Staat und Kirche letztlich mit zum Niedergang von Glaubenskraft beigetragen hat, während die westliche Kultur zugleich einem selbstbewussten Islam gegenübersteht, der genau diese Trennung nicht kennt.
  10. Als äußerst problematisch sieht der Professor auch den Umgang mit der Geschichte, besonders in Deutschland. Sie hat weitgehend ihre Bedeutung für Identitätsbildung verloren und ergibt sich nur noch in arroganten Bewältigungsversuchen. „So hat die zunehmende Reduktion von Geschichte auf ‚Verarbeitung’ zu einem Zeitempfinden chronischer Besserwisserei geführt, dem alles Vergangene bestenfalls rückständig, schlimmstenfalls verwerflich anmutet und nur insoweit verantwortbar scheint, als es teleologisch die moderne Gesellschaft hervorgebracht hat.“ (28)
  11. Dem stellt der Professor den Stolz der alten Athener gegenüber, „im Guten wie im Schlimmen über all ewige Denkmäler seine Anwesenheit gestiftet zu haben“. (30)
  12. Die Frage: „Kann der Westen sich von dieser Krise erholen?“ (30) wird recht negativ beantwortet, vor allem weil es nicht einmal ein ausreichendes Bewusstsein für die Krise gibt. Dazu kommt, dass die Migranten sich mit einem seiner selbst unsicheren Westen kaum identifizieren können, so dass aus einer Position der Schwäche nach einem dritten Weg der Verständigung auf dem Weg des Aushandelns einer neuen gemeinsamen Basis gesucht werden muss. Die Gefahr offener Gewaltsentladung bis hin zum Bürgerkrieg erscheint dem Professor besonders deshalb gegeben, weil das Vertrauen in die Politik weitgehend geschwunden ist, man denke etwa an die Schlussphase des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA im Jahr 2016 – wo ja im Falle einer Niederlage des republikanischen Präsidentschaftskabinetten auf die Gefahr offenen Aufruhrs hingewiesen wird.
  13. Am interessantesten ist die Prognose: Die Errichtung eines autoritären Regime zur gewaltsamen Wiederherstellung von Recht und Ordnung, Frieden und Wohlstand scheint unausweichlich, ganz genau wie vor 2000 Jahren, als die römische Republik, deren Krise und Untergang von analogen Bedingungen bestimmt waren, ebenfalls in jahrzehntelanger Bürgerkriege und die Errichtung der Militärdiktatur des Augustus mündete. Dieser galt den Zeitgenossen eben so als Erneuerer Roms, wie jetzt schon populistische Herrschaftsanwärter wie Trump, Putin oder Le Pen in Anspruch nehmen, westliche Werte zu verteidigen.“ (30)

Am Ende kann man dann dem Professor aber nicht ganz folgen, denn er geht davon aus, dass es ein „trauriger Westen sein“ werde, „der sich aus der Asche unserer heutigen Welt erheben wird“. Das widerspricht natürlich dem Lebensgefühl der Römer, die nicht von ungefähr von einer Pax Romana. Sie brachte für etwa 200 Jahre „Rom, Italien und den meisten Provinzen eine lange währende Zeit von innerem Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wohlstand. Nach den Verheerungen der Bürgerkriege blühte die Wirtschaft nun ebenso auf wie Kunst und Kultur.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Pax_Romana)

Zwei-Seiten Rezension eines Buches und eines Artikels, in dem der beglische Historiker David Engels 2014/2016 Parallelen sieht zwischen dem Schicksal der EU und dem Ende der Römischen Republik
AB Das Ende des Westens - auf dem Weg in[...]
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