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1.1        Das Elend mit dem „Deutsch-Nationalen“

 

Das Folgende ist ein Auszug aus dem E-Book:

 

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Aktuell beschäftigen die Mordtaten der sogenannten NSU in besonderem Maße die deutsche Öffentlichkeit – die Klärung der Frage, wie es dazu kommen konnte, liegt nun bei der Justiz mit dem Ziel einer angemessenen Strafe. In unserem Zusammenhang ist es interessant, dass die Selbstbezeichnung einer Terrorgruppe einfach übernommen wird – überall ist ganz selbstverständlich vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ die Rede, obwohl das nur der Anspruch der Gewalttäter war. Auf jeden Fall hat es mit dazu beigetragen, den Begriff der Nation in unserem Lande weiter zu diskreditieren (ins Negative zu ziehen).

„National“ – ein heute weithin „verbrannter“ Begriff

Überhaupt gibt es außer der Bezeichnung Nationalmannschaft und vielleicht noch Nationalhymne kaum etwas, was positiv mit „national“ verbunden wird - eher wird Bedenklichkeit ausgelöst. Dahinter steht die schreckliche Erfahrung der Perversion von zwei eigentlich guten Ansätzen, „national“ und „sozialistisch“, die in der Kombination wohl für alle Zeiten „verbrannt“ sind, also nicht mehr verwendet werden können.

Auf das Element „sozialistisch“ gehen wir weiter unten ein. Hier geht es erst mal um die Feststellung, dass der Begriff „national“ mal etwas sehr Positives war, seit der Französischen Revolution untrennbar mit Demokratie und Menschenrechten verbunden.

„National“ – ein von Anfang an problematischer Begriff in Deutschland

In Deutschland aber war der Begriff von Anfang an problematisch, weil – anders als in Frankreich – von vornherein mit der Abstammung verbunden und außerdem mit Ressentiments beladen.

Um darauf noch etwas genauer einzugehen: In Frankreich wird man Teil der Nation, wenn man ihre Werte annimmt und sich zu ihren Zielen bekennt. Das schloss von vornherein auch Menschen mit anderer Hautfarbe ein, auch wenn die Sklaverei in den Kolonien nicht gleich abgeschafft wurde.

In Deutschland dagegen gab es keine Nation und deshalb auch keine nationalen Grundlagen, auf die man sich einschwören konnte. Man flüchtete daher in die Gemeinschaft der Kultur, der Geschichte und damit automatisch auch der Sprache und der ethnischen Herkunft. Damit war Ausgrenzung von Menschen mit anderer Herkunft viel leichter im Programm als in Frankreich oder vergleichbaren Ländern.

Diese Abgrenzung wurde natürlich noch verstärkt durch die damalige Übermacht Frankreichs, das zumindest begehrlich auf die Rheingrenze blickte und unter Napoleon an einem System kleinerer und mittlerer Vasallenstaaten östlich des Rheins interessiert war. Damit bekam das Zusammenstehen der Deutschen automatisch einen antifranzösischen Zug, wie besonders die Lieder von Ernst Moritz Arndt zeigen: „Das ist des Deutschen Vaterland,/ wo Zorn vertilgt den welschen Tand,/ wo jeder Franzmann heißet Feind ...“

Dahinter steht die Defiziterfahrung eines unglaublichen Abstiegs von der Kaiserherrlichkeit des Mittelalters bis hin zum 30jährigen Krieg und der Übermacht vor allem des linksrheinischen Nachbarn. Nur die Kultur blieb den Deutschen, siehe dazu den eigenen Punkt weiter unten.

Kommen wir zu den Daten zu diesem Teil unserer Tiefenbohrungen in die Geschichte hinein:

2006: Das „Sommermärchen“ beim Kampf um die Fußballweltmeisterschaft, erstmals verbinden sich wieder positive Gefühle mit dem Deutsch-Sein – zugleich zeigt man sich weltoffen und lädt ein, „zu Gast bei Freunden“ zu sein.

1990: Die Wiedervereinigung, die in anderen Ländern die Angst vor einem „Vierten Reich“ aufkommen lässt.

1969: Mit Willy Brandt erster SPD-Kanzler nach 1949, Bemühen um eine neue Deutschlandpolitik. Während der Regierungschef aus Überzeugung am Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes festhält, gibt es große Teile der SPD, die die Teilung als gerechte Strafe für die NS-Untaten ansehen und ein neues größeres Deutschland für eine Gefahr halten.

1949: Adenauer wird erster Kanzler und betreibt zunächst einmal Westorientierung, also die feste Einbindung in den Westen (EWG und NATO). Die damit verbundene Abgrenzung gegenüber der DDR nimmt er in Kauf – die Stalin-Note von 1952 mit ihrem Angebot einer Wiedervereinigung allerdings mit Neutralitätsforderung lehnt er ab.

1945: Deutschland verliert den vorerst schlimmsten Krieg der Weltgeschichte mit schrecklichen Völkermord-Verbrechen – es muss „bedingungslos kapitulieren“, die Regierungsgewalt wird von den Alliierten übernommen. Viele Deutsche fürchten, in absehbarer Zeit nicht mehr einfach zur internationalen Völkerfamilie gehören zu können. Bezeichnend ist die sogenannte Feindstaatenklausel der UNO, die einen vereinfachten Weg zu Zwangsmaßnahmen ermöglicht, wenn Länder wie Deutschland oder Japan erneut aggressiv werden sollten.

1941: Deutschland führt mit dem Angriff auf die Sowjetunion einen rassischen Vernichtungskrieg, in dem es auch zum Massenmord an Millionen Juden, aber auch an Sinti und Roma sowie vor allem russischen Kriegsgefangenen kommt.

1935: Hitlers Regierung erlässt auf der Basis des Ermächtigungsgesetzes auf einem Parteitag die sogenannten „Nürnberger Gesetze“, die jüdischen Deutschen praktisch ihre Staatsbürgerschaft rauben, sie zu Menschen zweiter Klasse machen. Zugleich wird damit eine rassisch begründete Volksgemeinschaftsideologie sichtbar.

1933: Reichspräsident von Hindenburg überträgt das Amt des Reichskanzlers an Hitler, der das schnell zu einer echten Machtergreifung nutzt und zum Austritt aus dem Völkerbund, um freie Hand für Aufrüstung und Expansion zu haben.

1926: Deutschland wird in den Völkerbund aufgenommen, nachdem es seine Westgrenze freiwillig in den Locarno-Verträgen von 1925 anerkannt hat.

1918-1920: Der Erste Weltkrieg endet mit der Niederlage des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten. Im Versailler Vertrag müssen die deutschen die alleinige Kriegsschuld anerkennen, was psychologisch eine enorme Belastung für die neue Demokratie der Weimarer Republik darstellt.

1890: Nach der Entlassung Bismarcks endet dessen vorsichtige Außenpolitik. Unter Kaiser Wilhelm II. Verlangt das immer mächtiger werdende Deutsche Reich auch einen „Platz an der Sonne“. Ganz offen wird ausgesprochen: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!“

1870/1871: Die Einigung der deutschen Länder zu einem neuen deutschen Reich wird nur „von oben“ und mit Krieg erreicht.Bezeichnend ist, dass auf dem berühmten Bild der Ausrufung König Wilhelm von Preußen zum deutschen Kaiser vor allem Militärs zu sehen sind und der Vorgang tief in Frankreich stattfindet.

1848: In Deutschland scheitert der Versuch von unten, also des Volkes, gleichzeitig Einheit und Freiheit zu erreichen. Allerdings gewährt der preußische König von sich aus eine Verfassung, die gewisse Mitwirkungsrechte für das Volk enthält und 1862 fast zu seinem Rücktritt geführt hätte. Erst im letzten Moment wird ihm als Lösung ein Ministerpräsident Bismarck angeboten, der dann nach innen eine sehr konservative Politik betreibt, nach außen aber bereit ist, die deutsche Einheit mit militärischen Mitteln anzustreben.

1815: Nach dem Sieg über Napoleon, der maßgeblich auch durch Befreiungskriege unter Beteiligung des Volkes erreicht wurde, werden die nationalen Hoffnungen der Deutschen im Wiener Kongress enttäuscht. Es gibt nur einen sehr lose organisierten Deutschen Bund aus Einzelstaaten.

1806; Nachdem Napoleon fast ganz Europa militärisch unter seine Kontrolle gebracht hat und deutsche Einzelstaaten zwangsweise in einem Rheinbund vereinigt hat, gibt der letzte deutsche Kaiser die Krone des Alten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation auf. Ab diesem Zeitpunkt gibt es keinen gemeinsamen Staat aller Deutschen mehr und schon gar keinen deutschen Nationalstaat.

1648: Am Ende des dreißigjährigen Krieges besteht das Heilige Römische Reich Deutscher Nation nur noch auf dem Papier. Durch das sogenannte „ius foederis“ bekommen die Einzelstaaten sogar das Recht, eine eigene Außenpolitik zu betreiben. Das verstärkt auch die Tendenz, sich mehr als Preuße oder als Sachse zu fühlen denn als Deutscher. Nur die Sprache, die Geschichte/Tradition und Literatur und Kunst halten die Deutschen noch zusammen.

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