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Roths Roman "Hiob" als Parabel

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Roths Roman "Hiob" als Parabel
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  1. Bei der Parabel handelt es sich um eine besondere literarische Gattung, die durchaus etwas mit dem mathematischen Phänomen zu tun hat.
  2. Am besten geht man von einem berühmten Beispiel aus, an dem man die Elemente und die Funktion gut erklären kann: Im zweiten Buch Samuel, Kapitel 12, kommt der Prophet Nathan als Vertreter Gottes zu König David und erzählt ihm die Geschichte von einem reichen Mann, der zur Bewirtung eines Gastes nicht eines von seinen vielen Schafen schlachten lässt, sondern das einzige eines armen Nachbarn nimmt. Das Besondere ist nun, dass es sich um eine ausgedachte Geschichte handelt, die aber auf einen besonderen Punkt zuläuft und einen Erkenntniszweck hat. Es handelt sich um eine Parabel, eine Erzählung, ein Gleichnis in Form einer Geschichte.
  3. Die Intention der Geschichte ist, zum einen die ungeheure Ungerechtigkeit eines Falles deutlich zu machen und zugleich Mitgefühl mit dem Opfer zu erreichen. Als drittes Element kommt dann mehr oder weniger selbstverständlich der Wunsch nach Strafe hinzu. Diesen Aspekt nennt man bei Parabeln den “gemeinsamen Punkt”, er verbindet nämlich den Bildteil, die ausgemalte fiktive Geschichte, mit dem Sachteil, einem realen Fall.
  4. Das Besondere ist nun, dass der ahnungslose König David hier mit seinem eigenen Fehlverhalten konfrontiert wird. Kaum hat er sich als König so richtig in die Brust geworfen und ausgerufen “Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat!” - kontert der Prophet cool: “Du bist der Mann!”
  5. David war nämlich im Krieg mit einem Nachbarvolk lieber zu Hause geblieben und hatte sich an den Reizen einer Nachbarin erfreut, die aber leider die Ehefrau eines Generals war, der gerade an der Front kämpfte.
  6. Um keine Probleme zu bekommen, gab David dessen Kameraden den Befehl, den General so geschickt in einer Frontsituation im Stich zu lassen, dass er sicher umkam, was auch geschah. Näheres dazu zum Beispiel auf: http://www.ekd.de/psalmen/uriah.html”
  7. Diese Ungeheuerlichkeit, als reicher und mit allen Möglichkeiten der Welt gesegneter Monarch, einem anderen Mann das Einzige wegzunehmen, was er als Gatte besaß, hätte David in einem normalen Kritikgespräch nicht so leicht wahrgenommen, vielleicht den Propheten sogar nach den ersten vorsichtigen Worten wegen Majestätsbeleidigung aus dem Haus geworfen oder gar ins Gefängnis geschickt.
  8. Nun aber hat er sein eigenes Urteil gesprochen - auf der Basis einer scheinbar realen, aber sehr wirkungsvollen Geschichte, die zu einem klaren Erkenntnisziel kommt, das dann auf einen realen Vorfall übertragen wird, den sogenannten “Sachteil”.
  9. Halten wir also fest: Eine Parabel ist im Bereich der Literatur eine Geschichte, die als Bildteil auf ein Erkenntnisziel zuläuft, bei dem man erst später die Übertragung auf einen Sachteil vornimmt - nachdem man den Kern, den gemeinsamen Punkt verstanden hat.
  10. Am besten kann man das an den sogenannten “Gleichnissen” der Bibel erläutern. Die sind nämlich immer dann, wenn im Bildteil richtige Geschichten erzählt werden, eigentlich Parabeln, Gleichnis-Erzählungen - wie zum Beispiel beim sog. “Gleichnis vom verlorenen Sohn”. Im Unterschied dazu wird im Gleichnis im engeren Sinne ein Sach-Phänomen mit einem Bild-Phänomen zum Beispiel aus der Natur verglichen. Ein sehr gutes Beispiel findet sich im Matthäus-Evangelium, 13, 31-32: Dort soll am Beispiel eines kleinen Senfkorns, aus dem ein großer Baum wird, verdeutlicht werden, dass das Reich Gottes, das Jesus verkündet, zunächst auch noch sehr unscheinbar ist, aber sicher mächtig wachsen wird.
  11. Was hat das Ganze jetzt mit Hiob zu tun: Man kann dessen Lebensgeschichte, wie Roth sie erzählt, als Gleichniserzählung für die Situation eines gläubigen Menschen sehen, der zunächst einfach in den Traditionen seiner Religion lebt, dabei auch in Konflikte gerät, vielleicht sogar in Schuld und schließlich an seinem Glauben und an Gott zweifelt, ja sogar den Kampf mit ihm aufnimmt, wenn er sich auch nicht wirklich ganz von ihm lösen kann. Am Ende wird er belohnt und erreicht für sich nach einer inneren Wandlung ein neues, vertieftes Gottesverständnis, auch wenn er sich diese Gnade weder verdient hat noch sie eigentlich begreifen kann. Auf jeden Fall ist er aus dem ursprünglichen Missverständnis eines Tun-Ergehen-Zusammenhangs, bei dem Gott das Gute belohnt und das Böse straft, herausgelöst.

 

 

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