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Mündliche Abiturprüfung: Beispiel für Reaktionsschnelligkeit

Bei einer mündlichen Abiturprüfung kommt es besonders auf Reaktionsschnelligkeit an. Wir zeigen an einem Beispiel, wie man Fragen des Lehrers optimal nutzt.

Das Folgende ist ein Auszug aus einem E-Book zum Thema "mündliches Abitur". Wer sich dafür interessiert, kann sich über das Kontaktformular an den Autor wenden.

Wie man sich als Schnell-Denker präsentiert:
Im Unterschied zu den Klausuren kommt es bei einer mündlichen Prüfung immer auch auf Reaktionsschnelligkeit an. Das beginnt schon, wie wir gesehen haben, mit der Einstiegsfrage des Lehrers. Im weiteren Verlauf bleibt es dann eine ständige Herausforderung. Natürlich gilt das hier vor allem für den zweiten Teil mündlichen Prüfung, bei der es um das Frage-Antwort-Spiel zwischen Lehrer und Schüler geht.

Schnell denken ist sicher nicht jedermanns Sache – wobei das nichts mit Intelligenz zu tun haben muss. Schnelldenker sind nicht unbedingt Besserdenker. Wichtig ist, dass die anderen nicht zu sehr merken, dass man etwas mehr Zeit braucht. Da gibt es Tricks – und die sollte man rechtzeitig testen und trainieren.

Um „Butter bei die Fische zu tun“: Der Trick besteht darin, die „allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ zu üben (wie der Dichter Kleist das genannt hat). Man wiederholt die Frage oder einen Teil noch mal und hangelt sich dann langsam zu Teilantworten durch. Schlimmstenfalls kann man auch zurückfragen – nur sollte das natürlich nicht die Regel werden.

 

 

Auch hier wieder ein Beispiel aus der Praxis:

Im Folgenden ist das Zusammenspiel von Sprechen und Denken ganz wichtig – deshalb haben wir eine Kommentarebene eingefügt und gelb markiert.

Lehrer: Was versteht man eigentlich unter Epischem Theater?

Schüler:
1. Dabei geht es um eine besondere Art von Theater (das ergibt sich schon daraus, dass das Wort „Theater“ hier ja das Attribut „episch“ bekommen hat. Die Schüler-Antwort stellt also keine große geistige Leistung dar, sorgt aber dafür, dass man in das Thema „reinkommt“. Jetzt braucht der Schüler nur noch das Wort „episch“ zu erklären und ist auf dem besten Wege.)

2. Episch kommt ja von Epik und bezeichnet die literarische Gattung, in der erzählt wird – Romane, Kurzgeschichten usw. (An dieser Stelle muss der Schüler jetzt nur noch einen Schritt weitergehen und auf das damit verbundene Problem bei der Bezeichnung eingehen.)

3. Nun ist es natürlich sehr seltsam, dass hier dem Theater, also dem Drama, etwas beigefügt wird, was normalerweise überhaupt nicht dazu passt: Auf der Bühne wird gespielt – einen Erzähler gibt es normalerweise nicht. (An dieser Stelle könnte der Schüler natürlich vertieftes Verständnis zeigen: Ihm ist eingefallen, dass der Lehrer immer darauf hingewiesen hat, dass die Spiel-Eigenschaft des Theaters dazu führt, dass eben kein Erzähler da ist, der eine Art Einleitung oder Einführung vornimmt, Personen und Ort vorstellt usw. All das muss auf der Bühne so nebenbei durch die Sprechhandlung geleistet werden. Das hat er sich gut gemerkt und bringt es hier so ganz nebenbei ein ;-)

4. Deshalb gibt es ja auch davon uns im Unterricht häufig angesprochene Expositionsproblem bei einem Drama. Wer die Personen sind, welche Situation vorliegt, auch der Ort und die Zeit – all das muss auf der Bühne direkt präsentiert werden.

Lehrer: Schön, was Sie alles aus dem Unterricht mitgenommen haben. Aber was ist das denn jetzt genau das „Epische Theater“?
(Diese Bemerkung empfindet der Schüler jetzt gar nicht mehr als große Herausforderung, er hat ja jetzt alles zusammen, was er braucht, macht dem Lehrer nur die große Freude, es kurz auf den Punkt zu bringen.)

5. Mit dem Attribut des „Epischen“ wollte Brecht dem Theater etwas wegnehmen und gleichzeitig etwas geben. (Auf solche genialen, weil treffenden Formulierungen kommt man natürlich nur, wenn man die Sache für sich selbst auf den Punkt gebracht hat. Aber daran arbeiten wir ja in diesem Buch ;-)

Weggenommen wurde dem Theater die sog. „Illusion“ (an dieser Stelle fällt dem Schüler schon gleich wieder die Katharsis-Lehre von Aristoteles ein, die behält er schon mal in Reserve), gegeben werden sollte dem Theater echtes Verstehen – und zwar auf der Basis von Nachdenken. (Jetzt kann sich der Schüler eine weitere schöne Formulierung nicht verkneifen, die hat er sich aus den im Unterricht behandelten Texten gemerkt).
Der Zuschauer sollte also nicht „besoffen“ gemacht werden im Theater, sondern er sollte zu Erkenntnissen kommen.
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Und so kann es dann entsprechend weitergehen. Beide, Lehrer und Schüler, haben Spaß an ihrem Gespräch – und dementsprechend dürfte am Ende auch eine gute oder sogar sehr gute Note herauskommen.

 

Zusammenfassende Auswertung des Auszugs aus dem Prüfungsgespräch:

1. Der Schüler nutzt die Möglichkeit, von den zentralen Begriffen der Frage auszugehen.
2. Er nutzt zudem die in diesem Falle vorliegenden Gegensätze.
3. Außerdem bezieht er wichtige Erklärungselemente aus dem Unterricht ein (Expositionsproblem).
4. Einen Höhepunkt guter Darstellung erreicht er, als er die Wirkung von Brechts Theaterauffassung als Kombination von Contra und Pro darstellt.
5. Dann nutzt er noch das Schöne „besoffen“-Zitat, um etwas Zentrales besonders hervorzuheben und zugleich die spezifischen Bewertungen Brechts einzubringen.
6. Im Kopf baut er gleichzeitig Reserven auf – die Katharsis-Lehre von Aristoteles. Außerdem denkt er natürlich schon an das im Unterricht behandelte Dramen-Beispiel, etwa „Der gute Mensch von Sezuan“.
7. Außerdem holt er aus dem Gedächtnis schon langsam die Techniken hervor, mit denen Brecht die Illusion im Theater verhindern wollte – etwa Kommentare oder begleitende Songs, in der Inszenierung dann gerne auch Spruchbänder oder Plakate.



 

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